ORIENTIERUNG

Karte, Kompass und Co.

Hier findest du ein paar interessante Tipps und viel Wissenswertes zu Karte, Kompass und GPS für deine Tour

Das GPS-Gerät wird heute wieder zunehmend als Back Up betrachtet, da es als strombetriebenes Gerät auf Nachladen angewiesen ist. Karte und Kompass hingegen sind davon unabhängig. Für die meisten GPS-Geräte gilt, dass grundlegende Kartenkenntnisse als Bedienungsvoraussetzung sein müssen. Daher geben wir dir hier einen einfachen kurzen Einstieg in dieses faszinierende Thema.

Karten für deine Tour

Für die Touren im Odenwald reichen dir die Wanderkarten im Maßstab 1:20.000 meistens vollkommen aus, wenn du sie gut lesen kannst… es mach spaß sich selbst zurechtzufinden! Zumal die Wege im Allgemeinen markiert und/oder ausgeschildert sind. Hier kannst du die detaillreichen Wanderkarten des Naturparks bestellen. Auch vor Ort im Naturparkzentrum, in Eberbach oder in örtlichen Buchhandlungen sind die Wanderkarten erhältlich.

Unter Tourenvorschläge findest du einige Tourentipps von uns, die wir in Outdooractive eingetragen haben. Hier kannst du dir einige Touren als GPX-Datei downloaden. Selbstverständlich kannst du am besten mit Hilfe der Wanderkarte individuelle Touren planen.

Allgemeine Tipps zur Orientierung im Odenwald

Der Odenwald als seit Jahrtausenden genutzter Wald und seit den Römern auch zunehmend landwirtschaftlich bedeutsame Region bietet dir eine Vielzahl an markierten Wanderwegen, die für dich, auch als Trekkingeinsteiger, leicht zu finden sind.

Untereinander werden sie sehr oft noch durch schmale Wege verbunden, die sich aus etablierten, ehemaligen Rückegassen des Forstes oder alten Feld- und Verbindungswegen zwischen Gehöften und Dörfern erhalten haben.

Die Wege sind in der Legende der 1:20.000 Wanderkarten verzeichnet, außerdem finden sich hier alle wichtigen Symbole für Infrastruktur und touristische Ziele wieder.

Durch die durchgängig markierten Wanderwege (Markierungen an Bäumen, Pfosten etc.) fällt die Orientierung in der Regel recht leicht.

Unterwegs kann man an Waldrändern häufig recht weit sehen. Durch den Vergleich des Geländes mit der eingenordeten Karte, kann so schnell erkannt werden, wo man sich gerade befindet. Dies setzt selbstverständlich Kenntnisse im Landschaftslesen voraus.

Einige Gemeinden in der Naturpark-Region haben bereits die Wander-Zielwegweisung eingeführt. Hier werden Ziele, wie Ortschaften, Sehenswürdigkeiten etc. mit Kilometerangabe ausgeschildert. Ergänzend gibt es an vielen Kreuzungen, alten Hütten und Brunnen auch in den typischen roten Sandstein gemeißelte historische Zeichen und Richtungsangaben, die hilfreich sind.

Hilfreich zur Orientierung sind auch die kleinen Landstraßen in den weiten Feldern und Wäldern und die Übergänge zwischen Wäldern und Feldern, die sich als Linien im Gelände oft sehr gut abzeichnen. Da die Dörfer meist ein gutes Stück auseinanderliegen, ist es meist recht einfach, das entsprechende Dorf im Gelände, auch auf der Karte wiederzufinden.

Falls du dich doch mal verläufst, geh entweder ins nächste Dorf in deiner Sichtweite oder kehre einfach um zu dem letzten bekannten Punkt, den du passiert hast.

Allgemeine Tipps zur Wegewahl

Sicherheit

Bitte führe deinen Weg so, dass du Gefahren des Waldes ausweichst und dir die Orientierung leicht machst

  • Plane deinen Weg im Vorfeld oder früh am Abend am Camp und gleiche ihn auch mit der Wetterentwicklung ab, wenn du kannst. So kannst du ggf. auch morgens noch umplanen.
  • Immer wieder mal nach oben sehen und Bäumen mit schwachen Ästen oder viel Fallholz außen herum weiträumig ausweichen.
  • Weiche schräg an anderen Bäumen angelehnte oder beim Sturm unsicher gewordenen Bäumen weit aus. Sie heißen nicht umsonst “Witwenmacher“.
  • Immer wieder kommst du auch mal an schmalen Wegen an Kanten oder an kleine Abbrüche – bitte gehe vorsichtig und mit Abstand und mit Blick ins Gelände.
  • An abschüssigen Stellen oder verschlammten Stellen, nach dem Regen lohnt es sich, kurz ein zweites Mal hinzusehen.
  • Schau unterwegs immer wieder mal, wo du eine stabile Handyverbindung hast und merke dir die Uhrzeiten, wann du z.B. Hütten etc. passiert hast. Im Falle eines Unfalles kannst du so schneller alarmieren und den Helfern deinen Standort mitteilen.
  • Bitte präge dir bei der Routenplanung auch die, in der Karte verzeichneten und im Gelände markierten Rettungspunkte ein.

 

Trekking und Naturschutz

Für ein gelungenes Miteinander unterwegs sind wir alle mitverantwortlich.

Bitte schau dir vor der Tour diese einfachen Tipps an und nutze sie bei der Wegeplanung unterwegs, weitere Infos erhältst du auch hier.

Naturschutzgebiete

Auf den Karten sind alle Naturschutzgebiete klar und deutlich eingezeichnet. Bitte bleibe auf den Wegen und durchquere weder Naturschutzgebiete noch wissenschaftliche Probegelände oder eingezäunte Areale. Oft sind es Naturschutzgebiete oder schlicht verbotene Zonen.

Wege
Bitte nutze die bestehenden Wege und kreuze nicht unnötig zwischen den Pfaden. Die Tiere im Wald suchen meist die Mitte zwischen bestehenden Wegen um sich zu verstecken und uns auszuweichen. Gleiches gilt für dichtes Unterholz, Gesträuche und Senken mit hohem Gras/Büsche. Sie brauchen Ruhe und Schutz für ihre Jungtriere und sie leben dort, wo wir wandern. Das geht nur mit gegenseitiger Rücksicht.

Klein(st)gewässer

An und in Klein(st)gewässern und Bächen, leben oft seltene Tiere an den Übergangszonen von Land und Waser oder in den Uferpflanzen. Auch Biber und seltene Vögel sind dort anzutreffen, sie haben dort sehr oft ihre Gelege, Bauten oder Pfade. Auch Fische und seltene Reptilien sind oft in Ufernähe – sie laichen dort und suchen die Wärme der Sonne oder Schutz im Schatten der Uferpflanzen. Bitte störe sie nicht.

Trekking und Nachbarschaftspflege

Landwirtschaftliche Anlagen

Kuhweiden, Schafwiesen, Pferdekoppeln, bestellte Felder und Wiesen für die Heugewinnung, Bauerngärten und Tannenbaumkulturen – sie säumen die Wege und sind immer jemandes Eigentum. Auch uneingezäunte Obstbäume, auf Wiesen gehören meist jemandem, hier ist also keine Selbstbedienung angesagt. Meistens ist es kein Problem den Bauern zu fragen, ob du dir im Herbst 1 oder 2 Äpfel einstecken oder etwas Fallobst sammeln darf und wenn du nicht einfach durch die Ernte läufst oder dich frei bedienst.

Deinen Odenwaldabenteuern steht nichts im Wege- nur bitte plane deine Wege auch mit diesem Blick auf „Naturschutz auf Tour und die wichtige Nachbarschaftspflege“ mit Rücksicht. Die Einheimischen werden es dir ebenso danken, wie die Natur selber.

Topografische Landkarten

sind neben Kompass und GPS die wichtigen Orientierungsmittel für jede Outdooractivität. Für jeden Zweck gibt es Karten – für Trekkingtouren haben sich im einfachen Gelände Karten im Maßstab 20.000 oder 50.000 bewährt. Für den Odenwald gibt es vom Naturpark ein eigenes Wanderkartenset im Maßstab 1:20.000. Karten geben dir je nach Maßstab genauer oder weniger genau Auskunft über Wege, Gefahrenpunkte, Geländestrukturen usw. Für Gewässer- und Radaktivitäten gibt es spezielle Karten. Autokarten, Atlanten, Touristendrucke oder Flugkarten im Outdoorbereich sind untauglich, da sie dir keine Details vor Ort zeigen. Für deine Tourenplanung ist die  richtige Wahl und die sichere Handhabung der Karte die beste Grundlage.

Karten geben u.a. Auskunft über:

  • Höhen- und Tiefenangaben
  • Richtungen vom Gewässerläufen
  • Dörfer, Weiler und Städte
  •  Bewuchs und Waldarten
  • Einzelgebäuden und Anlagen
  • Technische Einrichtungen
  • Naturschutzgebiete, Waldgrenze
  • Sperrgebiete und Industrieräume
  • Politische und Verwaltungsgrenzen
  • Campingplätze und Sporteinrichtungen
  • Stromleitungen, Kraftwerke und Stauanlagen
  • Wege, Pfade, Straßen, Bahnlinien
  • Historische und touristische Orte

Jede topographische Karte gibt einen Geländeausschnitt wieder.

Dabei ist sie immer:

  • maßstäblich verkleinert
  • vereinfacht
  • erläutert
  • eine Darstellung in der Ebene

Im MAßSTAB 1:50.000 zeigen sie ausreichend das Bild des natürlichen Geländes:1 cm in der Natur entspricht auf der Karte 50.000 cm ( d.h. 500 m im Gelände). Ein Karte im Maßstab 1:100.000 zeigt mit 1 cm Kartenbild eine Geländestrecke von 100.000 cm (also 1000 m). Die meisten wichtigen Informationen finden sich in der LEGENDE (je nach Land/Kartenart auch im Kartenrahmen!). Sie gibt dir die Erläuterungen, die notwendig sind, um die Karte wie ein Buch flüssig und präzise lesen zu können. Durch die VEREINFACHUNG (sog. Generalisierung) bleibt diese lesbar und sehr inhaltsreich. Die Vielzahl der darzustellenden Objekte wird dir durch Symbole, Klassifizierungen oder Druckart, Farben gezeigt. Ja nach Maßstab sind die Darstellungen größer (d.h. genauer erkennbar) oder kleiner (d. h. gröber)

Die Nutzung der topographischen Karte ist vielfältig. Zum einen kannst du die Tour bereits zu Hause planen und recht genau vorbereiten. Durch die Vielzahl der Symbole und Darstellungen findest du bereits früh ein Gefühl für die zu erwartenden Wege und Anforderungen, wie z.B. Strecke, Höhenmeter, Hindernisse, Wegführung, Steilheit etc. Durch deine gute, frühzeitige Kartenplanung stellen sich dir die Fragen frühzeitig und du kannst wichtige Informationen gezielt z.B. in Büchern und im Netz nachsehen. Unterwegs ist die Karte fast so gut wie ein spannendes Buch – und sie braucht nie Batterien!

Probleme bei der Kartennutzung sind häufig:

  • Falsche Karten/Veraltete Karten
  • Unkenntnis und zu wenig Übung
  • Hektik oder Panik
  • Karten werden ohne Hülle nass und zerfledern

Können und Wissen sind für dich ggf. lebensrettend! Karten können nass werden – Folien, Laminieren oder Hüllen schützen sie sehr gut. Nach max.10 Jahren ist eine Karte, insbesondere in der Nähe von wachsenden Städten, ausgeprägter Forst- und Landwirtschaft oder z.B. nach Naturereignissen oder Baugroßvorhaben vollkommen veraltet!

Das Gitter auf der Karte

In den meisten Karten Europas findest du ein Gitter eingezeichnet, dessen gleichlange Kanten je nach Maßstab 1 cm (i.d.R. 1:100.000), 2 cm (i.d.R. 1:50.000), 4 cm (i.d.R. 1:25.000) oder wie bei der Wanderkartenauflage vom Naturpark 5 cm (1:20.000) betragen. Durch die gleiche Kantenlänge kannst du per Koordinatenbestimmung deine Position auf wenige Meter genau bestimmen. Manche Länder haben neben einem weltweit gültigen System auch noch die älteren, eigenen Landesgitter, sowie fast alle Karten an den Bildecken die geographischen Daten nach Längen und Breitengraden (Latitude/ Longitude) eingezeichnet. Für Wanderer empfiehlt sich im GPS die Einstellung bei Koordinatensystem: UTM und bei MapDatum: WGS 84.

Die modernen deutschen Karten sind seit ca.2003 nach dem sog. Map Datum WGS 84 (World Geodatic System 1984) und mit Hilfe der sog. UTM –Darstellung (Universale Transversale Mercartorprojektion)  abgebildet. Wenn man diese beiden Einstellungen auch im GPS einstellt, bekommt man auch bei älteren Geräten ohne Kartenabbildung die exakte Position in Form einer Zifferngruppe angegeben, die sich dann in das Kartengitter übertragen lässt.

Missweisung, Nadelabweichung und Meridiankonvergenz

Die Abweichungen zwischen den drei Nordrichtungen (Gitter-Nord, Geographisch-Nord, Magnetisch Nord) die auf der Karte eine Rolle spielen, sind derzeit bei uns im Lande so gering ausgeprägt, dass du diese bei kurzen Peilstrecken bis ca. 5° Abweichung  vernachlässigen kannst.

Der Kompass

Der Kompass ist ein WINKELMESSER zur Bestimmung des KURSWINKEL. Seine KOMPASSNADEL richtet sich an den örtlichen laufenden MAGNETFELDLINIEN aus. Er gibt die Abweichung der Kursrichtung von der Nordrichtung als Winkel an. Es gibt stationär eingebaute oder bewegliche Kompasse, manuelle oder digitale, und welche für die Süd- oder Nordhalbkugel.

Erste sog. „nasse“ Kompasse ( sog. Südweiser, eine frei auf einer Flüssigkeit schwimmende Nadel) gab es  in China um 1100. In Europa um 1187, in Arabien um 1287. „Trockene“ Kompasse mit einer stiftgelagerten Kompassnadel gab es in Europa um 1269, in China um 1600. Um ca.1280 wurden Windrose und Kompass im Mittelmeer erstmals kombiniert, um 1400 in einem festen Gehäuse auf Schiffen eingebaut. Die heute übliche Kardanische Aufhängung geht auf Leonardo da Vinci, 1534 zurück.

Heute ist die Kompassnadel extrem reibungsarm auf feinen Saphiren oder Rubinen gelagert. Der Kompass ist zur Dämpfung des Nadellaufes mit einer Flüssigkeit gefüllt. Er ist meist aus durchsichtigem, robustem Kunststoff gefertigt udn bei guter Pflege hält er ein ganzes Leben lang.

 

Verwendung des Kompass

  • Peilung eines Objektes
  • Festlegung des Kurswinkels (auch Azimuth, MKZ, Richtungszahl oder Marschzahl) in Karte und Gelände
  • Marsch/ Fahrt nach Kompass
  • Umgehung von Hindernissen
  • Ermitteln des Standortes durch „Rückwärts einschneiden oder seitwärts abschneiden“
  • Überprüfung der Ausrichtung von Geländestrukturen
  • Deckpeilung z.B. zur Überprüfung der Übereinstimmung von Wegverlauf in Karte und Natur
  • Bestimmen der Himmelsrichtungen über die Nordpeilung

 

Bedienungsfehler am Kompass

Manchmal führt ein kleiner Fehler zur deutlichen Ablenkung des Kompass:

  • Elektro (magnetische) Teile lenken die Nadel ab (Deviation)
  • Durch Schräghalten des Kompasses schleift die Nadel am Boden (Inklination)
  • Die örtlichen Magnetfeldlinien stimmen nicht mit den Polen überein. Ein abweichender Kurs wird angezeigt (Deklination)

Kompass und GPS

Der Kompass ist vom GPS nicht abgelöst, sondern sinnvoll ergänzt worden. Ohne das Verständnis von Karte und Kompass ist professionelle Navigation mit dem GPS nicht denkbar. Der Kompass ist stromunabhängig und verlangt  die ständige Überprüfung der Situation. Die vermeintliche Sicherheit mit dem GPS endet bei Stromausfall und bei fehlenden Orientierungskenntnissen mit Kompass und Karte!

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